Fankultur - wohin des Wegs?

Hier wird rund um den FC Sion und Fussball im Allgemeinen diskutiert

Moderator: brüno

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decabanis
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von decabanis » Mo 19 Jul 2021, 11:29

pyrpo hat geschrieben:
Mo 19 Jul 2021, 08:42
Die aktive Fanbewegung über den Saisonstart 2021/22:

Im Oktober 2020 konnten für kurze Zeit Fussballspiele mit mehr als 1'000 Zuschauerinnen und Zuschauern durchgeführt werden, wenn auch unter strengen Auflagen im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Diese wurden von uns mitgetragen, da aber ein Stadionbesuch wie gewohnt nicht ansatzweise möglich war, blieben wir zumindest als organisierte Fankurven den Stadien fern. Ab der kommenden Saison soll der Besuch von Fussballspielen nun beinahe ohne Auflagen wieder möglich sein. Benötigt wird jedoch das Covid-Zertifikat, welches beim Stadioneinlass zusammen mit der ID vorgewiesen werden muss, um die Identität abzugleichen. Dieser Identitätsabgleich ist vorbelastet: Bereits in der Vergangenheit waren ID-Kontrollen immer wieder Teil repressiver Massnahmen (Deanonymisierung, Fanpass, Kombitickets etc.) aus der Politik oder von den Behörden, welche von uns stets entschieden und erfolgreich bekämpft wurden. Dazu gehörten auch die Aufhebung von Stehplätzen, eine Sitzplatzpflicht oder das Verbot von Gästefans – alles Auflagen, welche im vergangenen Oktober im Rahmen der Pandemie verfügt wurden.
Mit Hinweis auf eine künftige Akzeptanz von Pandemiemassnahmen warnten die grossen Schweizer Fanszenen deshalb bereits im September 2020 in der gemeinsamen Stellungnahme «Mit Publikum, aber ohne Kurve» vor einem allfälligen Missbrauch der Situation. Zu Recht, wie sich jetzt herausstellt: Zwischen KKJPD (Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren) und Liga fanden erste Treffen statt, an denen die Behörden forderten, die Massnahmen auch nach der Pandemie beizubehalten. In Sion wurde vergangene Woche bereits kommuniziert, dass ab sofort nur noch personalisierte Tickets verkauft
werden und Gästefans verboten sind.

In diesem Kontext ist für uns alle Stand jetzt noch kein Entscheid möglich, ob wir als organisierte Fankurven auf Saisonstart hin ins Stadion zurückkehren oder unsere Mannschaften von ausserhalb unterstützen werden. Folgende Rahmenbedingungen sehen wir als Grundvoraussetzung, damit eine Rückkehr für uns überhaupt in Frage kommt:

• Klare geografische (vorgelagert) und personelle Trennung von Zertifikats- und Sicherheitskontrolle
• Schutz der Identität/Privatsphäre bei der Zertifikatskontrolle (Sichtschutz, keine Videoüberwachung)
• Geöffnete Gastsektoren
• Generell weiterhin niederschwelliger Zugang zu Test- und Impfmöglichkeiten sowie zum Zertifikat

Diese Rahmenbedingungen sind aber vielerorts noch unklar. Klar hingegen ist: Sobald die Pandemie als beendet gilt, müssen auch die letzten Auflagen fallen gelassen werden. Die Bekämpfung der Pandemie darf nicht für Repressalien gegen Fankurven missbraucht werden. Pläne wie diejenigen der KKJPD werden wir deshalb auch künftig gemeinsam und mit aller Kraft bekämpfen!

Szene Aarau, Muttenzerkurve Basel, Ostkurve Bern, Loz Boys Lausanne, Teste Matte - I Bravi Ragazzi (Lugano), USL (Luzern), Fidelis/Neuch' boys/Tigers95 (Neuchâtel), Section Grenat 1988 (Servette), Lousy Scum/Walliza Boyz/Red Tigers/Ibi Sumus/Sedunum (Sion), EBSG (St.Gallen), Block Süd Thun, Winterthur, Zürcher Südkurve, Sektor IV GC Züri
du meinst, eure forderungen finden gehör?
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Adrock
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von Adrock » Mo 19 Jul 2021, 17:45

Was ist eigentlich das Problem mit personalisierten Tickets?
Einmal zu oft 1984 gelesen?
scheiwi12
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von scheiwi12 » Di 20 Jul 2021, 21:47

Es gibt kein Problem. Völlig richtiger entscheid.
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von mulder#14 » Mi 21 Jul 2021, 07:49

Ich sehe das Problem dieser "Fangruppen" immer noch nicht ganz.

Wer ein Saisonabo kauft, gibt auch seinen Namen an.

Wer gegen unpersonalisierte Tickets ist, hat meines Erachtens etwas zu verbergen. Und das ist meistens wohl nichts Positives.
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BoondockSaint
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von BoondockSaint » Mi 21 Jul 2021, 15:41

mulder#14 hat geschrieben:
Mi 21 Jul 2021, 07:49
Wer ein Saisonabo kauft, gibt auch seinen Namen an.
Mit Ausnahmen. Die Mitglieder der Gruppen haben (oder hatten – keine Ahnung was auf diese Saison hin passiert ist) unpersönliche Abos, auf denen bloss der Name der Fangruppierung aufgedruckt ist.

Ich persönlich wäre schon mal froh, wenn mein Abo noch vor Sonntag bei mir eintrifft... :/D
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SiOnFaNaTiKeR
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von SiOnFaNaTiKeR » Fr 27 Aug 2021, 23:57

Fredy F., der Totengräber der Fankultur?

Es ist der 20. Mai 1991. Die 66. Austragung des Schweizer Cupfinals steht an. Im bernischen Wankdorf-Stadion duelliert sich der FC Sitten mit den Berner Young Boys. Über 50‘000 Zuschauer machen den Anlass zu einem Volksfest. Im Stadion am Mitfiebern, der 11-jährige Fredy F. Ohne Gesundheits-Zertifikat. Ohne personalisiertes Ticket. Einzig in Begleitung seines Vaters.

Über dreissig Jahre später. Fredy F. ist erwachsen. Sein Weg ist gepflastert von ständigen persönlichen und beruflichen Aufstiegen. Wie es sich für einen Erfolgsmenschen gehört. Er macht Karriere im Sport, in der Wirtschaft und in der Politik. Auch familiär ist Fredy F. gut aufgestellt. Eine Frau, vier Kinder. So seine Bilanz. Ein Winner ohne Fehl und Tadel. So macht es den Anschein.

Als selbsternanntes Maskottchen und Glücksbringer des heutigen FC Sitten sieht sich Fredy F. denn auch in der Verantwortung, den Profisport im Wallis zu retten. Mit Gesundheits-Zertifikaten und personalisierten Tickets. An Letzterem bereits seid 2019 am Erarbeiten. Und dank der Pandemie nun am Umsetzen. Ohne Rücksprache mit anderen Klubs. Und vor allem ohne Dialog mit der Fan-Szene.

Das zahlreiche Ausbleiben von Matchbesuchern in den Stadien ist ein trostloser Anblick. Keine Fans, keine Stimmung. Für Fredy F. dennoch kein Grund, um von seiner Praxis des personalisierten Tickets abzuweichen. Im Gegenteil. Wie Klein-Napoleon hält er daran fest. Darüber diskutieren, nicht mit ihm, so sein Selbstverständnis. Punkt.

Im Derby gegen Servette, Fan-Boykott. Ebenso gegen den amtierenden Meister aus Bern, Young Boys. Fredy F., der alte Haudegen und Kufen-Spezialist, kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Wenn die Fans den Fussball wirklich lieben würden, würden sie die Hürde des personalisierten Tickets akzeptieren, so Fredys Überzeugung, dass er mit seiner Massnahme die Walliser Fanszene mittelfristig retten werde. Sein Motto: Der Fussball wandle sich, die Spieler würden oft den Klub wechseln. Folglich müsse der Fan auch bereit sein, sich zu verändern. Und seine Massnahme des personalisierten Tickets einfach schlucken. Sonst müsse der Fan, zu denen Fredy F. als 11-jähriger vor dreissig Jahren selbst dazu gehörte, schlicht und einfach draussen bleiben. Und dies bei einem Klub, der seit längerer Zeit um jeden Fan zu kämpfen hat.

Die Ideologie Fredys mit personalisierten Tickets für mehr Sicherheit im Stadion zu sorgen, sie scheint auf bestem Wege zu sein, die Walliser Fankultur zu zerstören. Obschon er nichts davon wissen will. Er sei schliesslich nicht stärker als eine Fanszene. Um dennoch süffisant anzumerken, dass es sich sonst nicht um eine starke Szenerie handeln würde. Päng.

Dialogbereitschaft, so macht es den Eindruck, gehört zweifelsfrei nicht zu den Stärken des erfolgsgewohnten Fredy F. Ob man sich in dreissig Jahren noch an ihn erinnern wird? Vielleicht. Zumindest dann, wenn er als Totengräber des FC Sitten in die Geschichte eingehen wird.
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Fabianer
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von Fabianer » Sa 28 Aug 2021, 07:04

Favre, dass soll unser Staatsrat sein, unglaublich unobjektiv. Ein Skandal der Typ.

WB von heute:

FRÉDÉRIC FAVRE
«Wenn ich stärker als eine Fankultur bin, ist es keine starke Kultur.»

Staatsrat Frédéric Favre geht mit den personalisierten Tickets einen eigenwilligen Weg. Sein Vorgehen sorgt für Aufruhr. Favre empfindet den Widerstand als befremdlich. Das Gespräch.

David Taugwalder
Staatsrat Frédéric Favre begrüsst uns in seinem Büro in der «Villa de Riedmatten» bei der «Place de la Planta» in der Sittener Innenstadt. Von hier aus regiert ­Favre, der Chef des Departements für Sicherheit, Institutionen und Sport. Auf einer Ablage neben dem Pult liegt ein Puck mit dem Logo des HC Siders, ein Wimpel des Walliser Fussballverbands und ein Abzeichen des FC Sion.

Favre stand in den letzten Wochen verstärkt im medialen Fokus. Er wollte in die Arbeit von Medienschaffenden eingreifen, verordnete umstrittene Sicherheitsmassnahmen im «Stade de Tourbillon» und liess verlauten, dass er sich nicht impfen lasse. Favre sorgte schweizweit für Auf­sehen.

Im Interview spricht Favre über die neuen Sicherheitsmassnahmen im «Stade de Tourbillon». Fan-Gruppierungen des FC Sion blieben den ersten beiden Heimspielen gegen Servette Genf und die Berner Young Boys aus Protest fern. Favre gilt als treibende Kraft hinter den umstrittenen personalisierten Tickets. Er selbst äusserte sich nie ausführlich darüber. Bis heute.

Vor Favre auf dem Tisch liegen ein Interview aus der NZZ mit Justizministerin ­Karin Keller-Suter und ein Interview aus dem «Blick» mit Verteidigungsministerin Viola Amherd. Favre legt ein Postulat der sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats dazu.

In diesen Dokumenten sind Aussagen von bedeutenden Polit-Figuren und Instanzen zu lesen, die stützen, was Favre im Wallis umsetzt. Es scheint, als wollte Favre sein Vorgehen mit diesen Dokumenten legitimieren.



Frédéric Favre, was haben Sie für eine persönliche Geschichte mit dem FC Sion?

Ich war 1991 mit meinem Vater im Wankdorfstadion, als der FC Sion vor 50000 Fans einen 0:2-Rückstand gegen die Berner Young Boys in einen 3:2-Sieg drehte und den Schweizer Cup gewann. Das vergisst man nie.

Besuchen Sie Spiele des FC Sion im «Stade de Tourbillon»?

Immer wieder. Als der Klub am Ende der letzten Saison vom Abstieg bedroht war, ging mir das nahe. Ich sass bei beiden wichtigen Spielen gegen Basel und in der Barrage gegen Thun auf der Tribüne. Beide Spiele hat die Mannschaft gewonnen.

Es scheint, als seien Sie ein Glücksbringer. Sie sollten mehr Spiele des FC Sion besuchen.

Das haben mir Staff-Mitglieder und Klubverantwortliche damals auch ­gesagt (lacht). Im Moment ist es mir leider nicht immer möglich, aber ich werde dennoch versuchen, so oft wie es geht vor Ort zu sein.


Frédéric Favre versteht die Kritik an seinem Vorgehen nicht.
Quelle: pomona.media / Pascal Guntern
Sie haben auf diese Saison hin umstrittene Massnahmen ergriffen. Warum erachten Sie die personalisierten Tickets und die Schliessung des Gästesektors als beste Lösung, um die Sicherheit im Stadion zu erhöhen?

Ich weiss nicht, ob diese Massnahmen die beste Lösung sind. Aber wenn wir nichts unternehmen, werden wir immer wieder vor den gleichen Problemen stehen. Wir werden weiter brennendes, hochgefährliches Pyromaterial und Ausschreitungen erleben, die die Sicherheit der Spielbesucher gefährden. Das wollen wir vermeiden.

Die Fan-Gruppierungen kritisieren diese Massnahme, sehen sich noch mehr Regulierungen ausgesetzt. Verstehen Sie Menschen, die ihre Daten nicht preisgeben wollen?

Die Saisonkarteninhaber geben ihre Daten ja längst an. Es geht nur um ­die Einzeltickets. Hinzu kommt, dass die Daten nach einigen Tagen wieder gelöscht werden. Wer sich friedlich verhält, hat absolut nichts zu befürchten. Wenn jemand den Fussball wirklich liebt, nimmt er diese überschaubare Hürde in Kauf. Wenn Sie einen Flug ­buchen oder in einem Restaurant einen Tisch reservieren, geben sie die Daten doch auch an. Nein, ich verstehe diese Leute nicht. Aber natürlich ist es ihr Recht.

Wie genau ist der Entscheid, ­personalisierte Tickets einzu­führen, zustande gekommen?

Ich habe bereits 2019 einen runden Tisch einberufen. Involviert waren der FC Sion, das Bundesamt für Sport, ­Walliser Bundesparlamentarier, der Kanton, die Swiss Football League, die Kantonspolizei, die Staatsanwaltschaft und die Stadt Sitten. Wir haben Ideen gesammelt und sind zum Schluss gekommen, dass wir vor allem bei der Identifikation der Spielbesucher an­setzen müssen. Und dafür sind die ­personalisierten Tickets eine geeignete ­Lösung.

Gab es Alternativen zu den ­personalisierten Tickets?

Christian Constantin wollte den Gästesektor schliessen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Gästefans nicht einmal mehr die Möglichkeit haben, am Spieltag anzureisen. In Frankreich ist dieses Vorgehen möglich. Ein Präfekt kann in Frankreich veranlassen, dass bei einem Hochrisikospiel keine Gästefans in die Stadt des Heimklubs reisen dürfen.

Und in der Schweiz geht das nicht?

Nein, dafür haben wir in der Bundesverfassung keinen Spielraum und darum war diese Massnahme schnell vom Tisch. Jetzt möchte ich aber einmal ­etwas fragen.

Bitte.

Wenn ich die Berichterstattung der letzten Wochen verfolge, kommt es mir vor, als wäre es ein Problem, dass der Hooliganismus bekämpft wird. Alle ­fragen sich, was der Herr Favre da nur macht. Ist es falsch, wenn ich dafür ­sorge, dass die Sicherheit erhöht wird?

Grundsätzlich ist eine höhere Sicherheit immer zu begrüssen. Sie berufen sich sehr oft auf den Spielabbruch des Spiels Sion - GC im März 2019, als die Gästefans einen Spielabbruch provozierten. Gegner Ihrer Massnahmen sagen, dass Sie im Kontext der zahlreichen friedlichen Spiele unverhältnismässig agieren.


Frédéric Favre zeigt Videosequenzen von negativen Beispielen.
Quelle: pomona.media / Pascal Guntern
Favre wühlt in einer Aktenmappe und legt mit einer entschlossenen Geste eine Statistik des Bundesamts für Polizei fedpol auf den Tisch. In einem Reporting fasst die Polizeiliche Koordinationsplattform Sport (PKPS) jährlich zusammen, wie es um die Sicherheit in und rund um Schweizer Fussball- und Eishockeystadien steht.

Das Reporting zeigt faktenbasiert auf, in welcher Phase rund um Sportveranstaltungen (Anreise/vor, während und nach dem Spiel/Rückreise) welche Ereignisse vorgefallen sind. Es fliessen die Daten von Polizei, SBB und der Sportverbände ein.

Die Statistik aus der Saison 2018/2019 sagt, dass 84 der 183 Super-League-Spiele als gefährlich eingestuft werden. Das ist eine Quote von 46 Prozent. Die Statistik aus der Saison 2019/20 weist 49 von 115 Super-League-Spielen oder 43 Prozent aus.

Favre lehnt sich in seinem Stuhl zurück und lässt die Zahlen wirken. Dann sagt er:

Sie sehen, es ist dringend nötig, gegen diese Probleme etwas zu machen. In England, Italien oder Belgien sind personalisierte Tickets völlig normal und seit sie eingeführt wurden, haben diese Länder viel weniger Probleme.

Die Fan-Gruppierungen monieren, dass Sie die Massnahme mit dem Covid-Zertifikat und die personalisierten Tickets vermischen.

Wie ich erwähnt habe, verfolge ich diese Idee seit dem runden Tisch im Jahr 2019, lange bevor die Pandemie kam. Aber ich gebe zu, dass das Momentum gemeinsam mit dem Covid-Zertifikat ideal ist.

Es bleiben auch Fan-Gruppierungen von anderen Schweizer Klubs den Stadien fern, weil sie sich mit den Fan-Gruppierungen in Sion solidarisieren.

Das denke ich nicht. Sie bleiben den Spielen fern, weil ihnen das Covid-Zertifikat nicht passt. Wir wissen nicht, wie viele Menschen mit ihrem Fernbleiben effektiv gegen personalisierte Tickets protestieren. Ich gebe ein Beispiel: Sion-Fans hätten ja ohne personalisierte Tickets zum Auswärtsspiel in Basel reisen können. Es waren knapp zehn Sion-Fans im Gästesektor. Das war ein Protest gegen das Covid-Zertifikat und nicht gegen die personalisier-ten ­Tickets. Es ist kein Zufall, dass der ­Zuschauerschnitt auch bei Klubs sinkt, die keine personalisierten Tickets eingeführt haben.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich die Probleme in die Aussenbereiche des Stadions, die Bahnhöfe, die Städte verlagert?

Ja, aber dort haben wir die rechtlichen Grundlagen, um Sanktionen zu verhängen. Im Stadion haben wir die auch, aber dafür müssen wir wissen, wer im Stadion ist.


Frédéric Favre will seine Massnahmen langfristig aufrecht erhalten.
Quelle: pomona.media / Pascal Guntern
Es sind nicht nur die Fans, die Ihr Vorgehen kritisieren, sondern auch die Swiss Football League. Sie hätte sich ein koordiniertes, landes­weites Vorgehen gewünscht.

Ich habe die Swiss Football League während den letzten zwei Jahren über meine Pläne immer auf dem Laufenden gehalten. Was hat die Swiss Football League denn unternommen? Nichts! Jetzt haben sie eine Arbeitsgruppe ­gegründet. Nach zwei Jahren. Ein bisschen spät, nicht?

Warum, glauben Sie, tut sich die Liga schwer, Massnahmen zu ergreifen?

Es gibt Klubs, die Druck auf die Liga machen, alles so zu belassen wie es ist. Die Klubs haben Angst, zahlende ­Zuschauer, also ihre Kunden zu ­verlieren.

Ein berechtigter Einwand, wenn man bedenkt, dass Spieltagein­nahmen für Schweizer Klubs ­existenziell sind.

Ich verstehe das ja, aber die Sicherheit geht vor.

Favre zückt sein Handy und ruft einen Beitrag des Schweizer Fernsehens auf. Es ist der Spielbericht zwischen dem FC Zürich und GC vom vergangenen Wochenende. Die Bilder im ­Video zeigen die Zürcher Südkurve. Petarden brennen.

Dann sagt er:

Sehen Sie diese Bilder? Das meine ich. Daneben stehen Familien. Ich kenne viele Eltern, die Angst haben, mit ihren Kindern ein Spiel zu besuchen. Sie sind dankbar, dass ich Massnahmen ergreife. Die Sicherheit steht über allem. Auch der FC Sion will die Sicherheitskosten minimieren.

Trotzdem ist der FC Sion nicht zufrieden, wenn nur 4000 Zuschauer zu den Spielen kommen.

Dafür kann man aber nicht alleine die personalisierten Tickets verantwortlich machen. Wir haben immer noch eine Pandemie, der sportliche Erfolg in den letzten Jahren war mässig, und es war noch Ferienzeit. Spielt der FC Sion wieder einmal in der Europa League und muss auswärts in Italien antreten, werden die Fans dorthin reisen und brauchen ein Ticket. Ein personalisiertes Ticket. Dort werden sie es lösen. Warum also im «Stade de Tourbillon» nicht?

Sie sind FDP-Politiker und stehen für liberale Werte. Widerspricht Ihr Profil als Politiker nicht Ihren Massnahmen?

(überlegt) Man kann das auch anders sehen. Die FDP stand immer dafür, die Sicherheit der Menschen in der Schweiz zu verbessern. So gesehen bin ich auf dem Kurs meiner Partei.

Verstehen Sie Menschen, die Angst haben, dass rund um den FC Sion eine jahrelang gewachsene Fan-Kultur zerstört wird, wenn Ihre Massnahmen länger Bestand haben?

Ich glaube nicht, dass Frédéric Favre stärker als eine Fan-Kultur ist. Sonst ist es keine starke Kultur. Der Fussball wandelt sich, die Spieler wechseln oft den Klub. Auch Fans müssen bereit sein, sich zu verändern.

Die Fans fühlen sich in der ganzen Angelegenheit nicht abgeholt. Die Gruppierungen behaupten, dass sie nie in den Dialog einge­bunden wurden.

Das stimmt nicht. Die Polizei forderte die Fan-Gruppierungen von Sion bereits 2019 auf mitzureden. Das wollten sie damals nicht. Schade. Ich möchte betonen, dass meine Tür auch heute noch offen ist.

Wie lange wollen Sie die personalisierten Tickets aufrecht­erhalten?

Wir werden Ende dieser Super-League-Saison ein erstes Fazit ziehen. Der Plan ist aber, für die laufende ­Saison, die Saison 2022/23 sowie alle folgenden Spielzeiten personalisierte ­Tickets beizubehalten.

Sie werden an Ihren Massnahmen nicht mehr rütteln, oder?

Nein, an den personalisierten Tickets halte ich fest. Über diese Massnahme diskutiere ich nicht mehr.
viceversa
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von viceversa » Sa 28 Aug 2021, 11:49

Was für ein A....loch. Hoffe die Fangruppen bleiben stark und Favre ist bald Geschichte. Für wie wichtig kann sich eigentlich eine Einzelperson halten :ki ?
mulder#14
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von mulder#14 » So 29 Aug 2021, 20:50

viceversa hat geschrieben:
Sa 28 Aug 2021, 11:49
Was für ein A....loch. Hoffe die Fangruppen bleiben stark und Favre ist bald Geschichte. Für wie wichtig kann sich eigentlich eine Einzelperson halten :ki ?
Sorry...Favre wurde im März für vier weitere Jahre gewählt.
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von viceversa » Mo 30 Aug 2021, 17:59

mulder#14 hat geschrieben:
So 29 Aug 2021, 20:50
viceversa hat geschrieben:
Sa 28 Aug 2021, 11:49
Was für ein A....loch. Hoffe die Fangruppen bleiben stark und Favre ist bald Geschichte. Für wie wichtig kann sich eigentlich eine Einzelperson halten :ki ?
Sorry...Favre wurde im März für vier weitere Jahre gewählt.
Bitter… :MM
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SiOnFaNaTiKeR
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Re: Fankultur - wohin des Wegs?

Beitrag von SiOnFaNaTiKeR » Fr 10 Sep 2021, 14:20

Der neue Sponsor ist bekannt

Gegen Lugano spielte der FC Sion mit einem "?" auf den Shorts. Das hat Sie wahrscheinlich neugierig gemacht. Heute enthüllt der FC Sion, was sich hinter diesem Fragezeichen verbirgt. Dieser Platz, auf der rechten Seite unserer Spieler, wird nun Bitci gewidmet sein, die offiziell einer der neuen Partner des FC Sion wird. Der Walliser Verein freut sich über diese neue Partnerschaft.

Der FC Sion, der immer auf der Suche nach neuen Wegen ist, um seinen zahlreichen Fans ein besseres Erlebnis zu bieten, sieht diese Partnerschaft als eine gute Gelegenheit, Fan-Token zu erwerben. Sie kommen in den Genuss von Sonderangeboten und zahlreichen Vorteilen. Bitci wird auch im Stadion und in den sozialen Netzwerken des Vereins präsent sein. Die Einführung des Fan-Tokens wird in Kürze erfolgen. Weitere Informationen werden zu gegebener Zeit zur Verfügung gestellt!

Der FC Sion ist der erste Schweizer Verein, der mit Bitci zusammenarbeitet, um seinen Fans dieses einzigartige Erlebnis zu bieten. Wolverhampton, Glasgow Rangers, der Internationale Basketballverband, McLarens, die spanische Nationalmannschaft und Brasilien sind ebenfalls Partner von Bitci mit Sitz in der Türkei.

Massimo Cosentino (Generaldirektor des FC Sion): "Nach eineinhalb Jahren Abwesenheit wollen wir unsere Fans zu Protagonisten des Vereinslebens machen, damit sie mit uns interagieren können. Unter diesem Gesichtspunkt wird uns die Partnerschaft mit Bitci die Möglichkeit geben, dies bei mehreren anstehenden Aktivitäten zu tun."

Über Bitci

Der Bitcicoin, der das Rückgrat der Bitcichain-Blockchain bildet, gewinnt seinen Wert durch Fan-Token (FTO) und NFT-Projekte, die auf der Bitcichain-Blockchain erstellt werden. Blockchain-Netzwerkgebühren werden mit Bitcicoin in Fan-Token-Transfers auf Bitcoin bezahlt.

Bitcicoin können einfach in der von Bitci Technologie S.A. entwickelten Bitcoin E-Wallet gespeichert werden. Bitcicoin können bei Bitci.com und allen anderen Börsen, an denen sie gehandelt werden, erworben werden.

Quelle: fc-sion.ch
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